Bei lambda::nord begleiten wir immer wieder Coming-Out Prozesse. Nimm dir die Zeit, die du für dein Coming-Out brauchst! Wir werden dich nicht zum Coming-Out drängen und du musst uns auch an der Tür nicht erklären, was dein Label ist! Du bist eingeladen unsere Safer Spaces und Angebote kennenzulernen und zu gestalten.
Inviting In
Das Konzept des Inviting In ist eine moderne und sehr bestärkende Art, über die eigene Identität zu sprechen. Anstatt das klassische Bild des Coming-out zu nutzen – bei dem man oft das Gefühl hat, aus dem Ungewissen zu treten und sich vor der Welt erklären zu müssen – verändert Inviting In die gesamte Perspektive. Stell dir dein Inneres, deine Gefühle und wer du bist, wie dein eigenes, gemütliches Zimmer vor. Es ist dein ganz persönlicher Raum, in dem du dich sicher fühlst.
Bei diesem Ansatz bist du nicht mehr in der Position, dass du anderen eine Information schuldest. Stattdessen bist du die Person, die den Schlüssel in der Hand hält. Du entscheidest ganz allein, wen du in dein Zimmer hineinbittest. Deine Identität ist kein Geheimnis, das du beichten musst, sondern etwas Kostbares, das du mit ausgewählten Menschen teilst. Wer davon erfährt, erhält ein Privileg und ein großes Stück Vertrauen von dir.
Das nimmt den enormen Druck weg, sich vor allen gleichzeitig erklären zu müssen. Du kannst dich in deinem eigenen Tempo bewegen und dich bei jedem Menschen neu fragen: „Hat diese Person mein Vertrauen verdient? Wird sie wertschätzend mit meiner Einladung umgehen?“ Wenn du dich entscheidest, jemandem (noch) nichts zu sagen, ist das kein Verstecken, sondern ein bewusster Schutz deiner Privatsphäre. Du bleibst dabei immer du selbst – du bestimmst, deine Regeln und dein ganz eigenes Tempo.
Was bedeutet Coming-out?
Der Begriff „Coming-out“ ist heutzutage weit verbreitet. Er stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „herauskommen“. Laut dem größten Wörterbuch Deutschlands, Oxford Languages, bezieht sich das Coming-out auf das bewusste Offenlegen von etwas, insbesondere der eigenen Homosexualität. Es betrifft jedoch nicht nur homosexuelle Menschen, sondern alle (a)sexuellen und (a)romantischen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten.
Warum ist ein Coming-out überhaupt nötig?
Wäre es nicht toll, in einer Welt zu leben, in der man sich gar nicht mehr outen muss, weil es einfach normal ist, dass man liebt, wen man will? Natürlich wäre das großartig! Leider entspricht dies nicht der Realität. Die meisten Menschen wachsen in einer Umgebung auf, die davon ausgeht, dass alle heterosexuell und mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert sind. Wenn also die meisten Menschen um einen herum und vielleicht sogar die eigene Familie nach solchen Annahmen leben, dann ist es verständlich, dass man das Gefühl hat, sich outen zu müssen: „Hey, ich bin anders als ihr denkt!“
Das innere & äußere Coming-out:
Beim Coming-out kann man zwischen dem inneren und äußeren Coming-Out unterscheiden (obwohl diese oft ineinander übergehen). Der innere Prozess umfasst alles bis zu dem Punkt, an dem man für sich selbst feststellt, dass man nicht heterosexuell, heteroromantisch und/oder cis-gender ist. Diese Zeit wird häufig als Questioningprozess beschrieben. Das äußere Coming-out beinhaltet dann das Teilen dieser Erkenntnis mit anderen.
Das Coming-out ist unabhängig vom Alter
Häufig findet das Coming-out in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter statt. Es gibt jedoch keine festgelegte Altersgrenze oder ein richtig oder falsch dafür, wann man sich outen sollte. Manche Menschen haben erst im höheren Alter ihr Coming-Out, obwohl sie bereits heteronormativ verheiratet sind und/oder Kinder haben. Es wird sogar häufig zu unrecht vermutet, dass queere Menschen nicht etwa auch einen Kinderwunsch haben: Es gibt Menschen, die homosexuell aber heteroromantisch sind und umgekehrt oder Personen, die kein Geschlecht für sich definieren. Die Suche nach der eigenen Identität ist ein lebenslanger Prozess, der für einige mehr Zeit benötigt als für andere.
Wenn du Unterstützung in deinem Coming-Out Prozess brauchst, interessiert bist oder dich informieren willst – unser Team von NaSowas ist für dich da vor Ort, am Telefon oder anonym über die Onlineberatungsstelle.